Hallöchen
Könnte am liebsten sagen, bis neulich, aber das wäre zu kurz gedacht. Ja, ich bin ein bisschen verrückt, hänge manchmal den Gedanken nach und bin stolze Tierbesitzerin und zwar von drei Wellensittichen, die richtige Quatschköpfe sind.
Dann gibt es eine weitere Leidenschaft: Das Schreiben. Das wollte ich anfangs gar nicht, weil oft in der Schule meine Aufsätze für die Lehrer miserabel waren, habe aufgehört, die Mittelfeldnoten zu zählen. Nur ein Lehrer aus der Berufsschule wusste, dass mehr in mir schlummert und der eigentliche Deutschlehrer, den ich hatte … Na ja, ich schweige! Mein wirklich erstes Manuskript landete auch in den Untiefen des Papierkorbs vom Rechner, der dann und wann sowieso Schrott war. Schade, war ein Siemens PC, hat gut gehalten, das Teil. Wirkte solide, ganz so, als wäre ich eine sehr reiche Geschäftsfrau gewesen, obwohl ich "nur" in der Ausbildung steckte. Heute habe ich auch wieder einen PC, der ein Businessrechner ist und darauf bin ich heimlich stolz. Aber zurück zum Schreiben: Jedenfalls blieb das Thema locker 12 Jahre begraben und durch Zufall fand ich eine Facebook-Anzeige, die mich zur mittlerweile Mentorin führen sollte. Glaube mir, ich hatte Angst, große Angst, auf Scam hereinzufallen, einen Scam, aus dem niemand so leicht rauskommt. Dann folgten Schreibkurse, die ich mit Begeisterung absolviert habe und die Kohle war es mir wert. Entwickelt habe ich mich, ja und ich bin bereit, über Texte zu gehen und den einen oder anderen Tipp abzugeben. Und selbst sitze ich noch am ersten Manuskript, den ich auch heutiger Sicht so schrecklich fand, dass ich mich manchmal, wenn ich mir noch mal die Rohentwürfe zu Gemüte führen würde, frage, was da in mich gefahren ist. Da kann einem nur grausig schlecht werden. Aber weißt du was das Beste ist? Jedem Autor geht’s so, wirklich jedem!!! Ich wusste damals schon, dass ich noch überarbeiten muss, Fehler ausbügeln und da fielen mir nur Rechtschreibung, Grammatik und logische Zusammenhänge ein. Idh wollte keinen langweiligen Alltag, keine langweiligen Dinge schreiben, die eben Alltag sind. Doch eines habe ich gelernt: Es ist spannend, in den Alltag Anderer hineinzuschlüpfen. Und wenn du noch nicht überzeugt bist frage ich dich einfach mal: Würdest du gerne bei anderen Menschen Mäuschen spielen? einfach mal einen Tag miterleben und wenn einer nicht reicht, zwei, drei oder gar vier? Wenn du diese Frage mit ja beantworten kannst, dann denke bitte an eine andere Person, die auch gerne wissen würde: Wie sieht der Alltag bei dir aus?
Ich bekam ein gutes Beispiel: Meine Mentorin gibt auch Präsenskurse. Ein Kursteilnehmer meinte, dass sein Alltag stinklangweilig wäre, nichts zu erzählen gäbe, weil eben langweilig. Dann kan der Auftrag, mal Tagebuch zu schreiben. Er las vor und schon waren mehr als nur einer neugierig. Er erzählte von der Arbeit, vom normalen Leben, was bei wirklich jedem anders verläuft und dann von den Enkelkindern, mit denen er spielte. Ja, auch Gedanken fließen in den Alltag mit ein. Auch wenn du es nicht zugeben magst: du machst dir auch Gedanken: Politik, vielleicht denkst du an ein Spiel, wie du dann strathegien planst, überlegst, was als nächstes zu tun wäre, egal ob du in einem Job ist oder der Haushalt, der sich nicht von alleine macht. Vielleicht bist du wütend auf einen Klassenkameraden oder Arbeitskollegen, vielleicht hast du heute eine Nachricht bekommen, die dich traurig macht oder dich erfreut? Vielleicht ärgerst du dich über den Postboten der einfach nur einen Abholschein in den Briefkasten geworfen hat, obwohl du vor der Tür gestanden bist. Ich kann nicht in deinen Kopf schauen, höchstens vor die Knochenplatte, nur was sich dahinter abspielt, das weißt nur du. Du magst es mitteilen, hast aber Hemmungen, weil sich Andere etwas denken könnten. Aber da gibt es Tricks, die du dich bedienen kannst. Auch die musste ich verfeinern. Selbst ich bin nicht absolut perfekt, das weiß ich und deswegen gilt: Du lernst immer, egal, wieviel du geschrieben, evtl. veröffentlicht hast. Wer glaubt, er könne alles, ihm sei das Talent in die Wiege gelegt worden, der irrt. Auch ein Talent möchte gefeilt, verbessert und noch weiter bearbeitet werden. Da gibt es nie ein Ende, so fühlt es sich für mich an. Um noch einmal auf den Titel zurückzukommen: Angst vor dem weißen Blatt habe ich nicht mehr. Ich weiß, dass ich Dinge komplett jemand Anderes erleben lassen kann, sogar etwas tun lassen kann, was ich mir wünsche und ich mich doch noch nicht traue. Dadurch bekomme ich selbst vielleicht mut. Mut zu sagen: "ich mach’s!"
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Die Angst vor dem schreiben oder: Das weiße Blatt, was sich fürchten darf.